Dass die italienische Küche vor allem aus Pizza und Pasta besteht ist natürlich ein Klischee. Aber während der belegte Teigfladen außerhalb Neapels bis vor einigen Jahrzehnten kaum eine Rolle spielte, sind Spaghetti, Makkaroni & Co. tatsächlich schon seit Jahrhunderten kulinarische Ikonen der Italiener. Dabei gab es in den 1930er Jahren mal eine kleine Gruppe politischer Aktivisten, die fest entschlossen war, ihren Landsleuten die Pasta, die sie als "absurde gastronomische Religion Italiens" schmähte, für immer zu verleiden. Es sei offensichtlich, dass der Nation ihre Nudeldiät überhaupt nicht bekomme, tönten die so genannten Futuristen in ihrem Manifest. Der sentimentale Skeptizismus der Neapolitaner werde nur durch die täglichen Makkaroni verursacht, die jede energische Regung im Keim erstickten. Im Gegensatz zu Brot und Fleisch würden Nudeln nicht gekaut, sondern einfach geschluckt, und das mache die Italiener träge und passiv. Verweichlicht durch weiche Pasta? Die futuristische Nudelattacke ist heute nur noch eine kleine Schmonzette aus der Mottenkiste. Aber wie sind die Italiener überhaupt zu ihrem Leibgericht gekommen? Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Kaufmann Marco Polo (1254-1324) habe die ersten Spaghetti Ende des 13. Jahrhunderts aus China mit in seine Heimat gebracht. Er bereiste den Orient entlang der Seidenstraße und war angeblich längere Zeit ein wichtiger Berater am Hof des mongolischen Herrschers Kublai Khan. Populär wurde die China-Legende nicht zuletzt durch eine Story, die 1929 unter dem Titel "Die Saga von Cathay" im Macaroni Journal veröffentlicht wurde, dem Magazin der amerikanischen Pasta-Produzenten. Sie erzählt, wie ein Matrose namens Spaghetti in chinesischen Gewässern an Land geht, um Trinkwasser zu holen und dabei beobachtet, wie eine junge Einheimische geheimnisvolle Teigfäden in Wasser kocht. Er nimmt eine Portion mit an Bord, wo sie der mitreisende Marco Polo probiert, der die Fäden für gut befindet und sich umgehend das Rezept besorgt. Seitdem heißen die langen Nudeln nach ihrem "Entdecker" Spaghetti. Natürlich sollte das nur ein Gag sein, aber er erwies sich als extrem populär und tauchte 1938 in abgewandelter Form im Film Die Abenteuer des Marco Polo mit Gary Cooper wieder auf. Seitdem ist die Legende quasi nicht tot zu kriegen. (...) In jedem Fall lässt sich beweisen, dass es in Italien schon Nudeln gab ehe Marco Polo geboren wurde, denn in mehreren alten Schriften ist davon die Rede. Umstritten ist jedoch, ob die Italiener eines Tages von selbst auf die Idee gekommen sind, Teig in heißem Wasser zu kochen statt ihn zu backen, oder ob ihre Pasta eigentlich ein Import ist. Weder die alten Römer noch die Griechen stellten Nudeln her, auch wenn das immer wieder mal behauptet wird; das taten aber schon sehr früh die Chinesen und die Perser, vermutlich unabhängig voneinander, und offenbar auch die Juden im Nahen Osten. Jedenfalls ist das älteste bekannte Nudeldokument eine Anfrage an einen Rabbi in Palästina, ob für diesen Teig dieselben Vorschriften gelten wie für Brotteig. Wenn Sie diesen Text komplett lesen und veröffentlichen möchten, schicken Sie mir bitte eine Mail. |