Aphrodisiaka aus der Küche

Zu allen Zeiten haben Liebende versucht, dem natürlichen Appetit auf das andere Geschlecht mit diversen Mittelchen ein bisschen nachzuhelfen und die Kochkunst spielte dabei eine wichtige Rolle. Ausprobiert wurde nahezu alles, was irgendwie erfolgversprechend erschien, von der Auster bis hin zu Zebrazungen. So manches erscheint uns heute höchst befremdlich, doch der sagenhafte Ruf einiger Lebensmittel hat sich bis heute gehalten. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht.

Dass gutes Essen in der Lage ist, die Sinne anzuregen und auf Genüsse anderer Art einzustimmen, gehört vermutlich zum Grundwissen der Zivilisation. Schon gemeinsam zu essen kann ein höchst intimer Akt sein, selbst wenn keine Fortsetzung im Bett geplant ist. Der Kuss ist vor Millionen Jahren vermutlich aus dem Füttern von Mund zu Mund entstanden.

Nicht jede Mahlzeit eignet sich aber gleichermaßen als Vorspiel für innige Zweisamkeit. Tabu ist alles, was schwer im Magen liegt und müde macht. Seit jeher besonders gefragt sind Rezepte, die selbst Lustlose in Stimmung bringen und der Libido zu besonderer Energie verhelfen. Die Erfolg versprechenden Stimulanzien gibt es nicht in der Apotheke, sondern beim Gemüsehändler oder im Feinkostladen - jedenfalls wenn man der einschlägigen Literatur Glauben schenken darf. Erfahrung mit erotischer Kochkunst hatten schon die alten Griechen und Römer. Der römische Dichter Ovid verfasste ein ganzes Buch über die Kunst der Liebe und der Verführung; in neuerer Zeit tat sich Casanova als intimer Kenner essbarer Aphrodisiaka hervor, der sowohl Meeresfrüchte wie auch Eier und Parmesan überaus schätzte.

Gewisse Hinweise geben auch die kirchlichen Verbote des Mittelalters, die Mönchen und Nonnen, aber auch ehrbaren Jungfrauen das Essen "unkeuscher Lebensmittel" untersagten, als da wären Bohnen, Zwiebeln, Kastanien, Fenchel, Pastinake, Rettich, Rauke, Lauch, süße Mandeln, Feigen und noch einige andere. So trachteten die einen danach, jegliche Stimulierung der Sinne durch die Küche zu unterbinden, während die anderen eifrig bemüht waren, sie genau damit nach Kräften zu reizen - dieses ewige Katz-und-Maus-Spiel durchzieht die gesamte Weltgeschichte.

Die erotische Kochkunst unserer Vorfahren basierte im Wesentlichen auf dem Motto "Du wirst zu dem was du ist". Man ging davon aus, dass die Eigenschaften der Zutaten auf den Esser übergehen, was die Sexualorgane erlegter Tiere besonders begehrenswert erscheinen ließ, wobei der Vorzug natürlich den potentesten gegeben wurde. Die rege sexuelle Aktivität von Kaninchen, Ziegenböcken, Rebhühnern, Wachteln und Hähnen sicherte ihnen jahrhundertelang einen Platz auf der Speisekarte, denn auch das Fleisch galt als wirksam. Spatzen waren in der Antike gesuchte Leckerbissen, konnten doch diese Geschöpfe "in einer Stunde 83 mal koitieren", wie Aristoteles aufmerksam notierte.

Wenn Sie diesen Text komplett lesen und veröffentlichen möchten, schicken Sie mir bitte eine Mail.