Share in top social networks!

Die Sizilianer essen ihren Orangensalat mit Oliven und Zwiebeln vor allem im Winter, nicht im Sommer – aber haben wir jetzt wirklich Sommer? Der Kalender behauptet es zwar, aber der Blick aus dem Fenster straft ihn Lügen – 19 Grad, Nieselregen, so muss der sizilianische Winter sein. Passt also. Pikante Orangensalate kennt man übrigens in verschiedenen Mittelmeerländern, auch in Nordafrika, weshalb das Rezept in Italien als arabisch gilt.


Die ersten Orangenbäume kamen nämlich mit den Arabern bzw. den Mauren nach Sizilien, die die Insel vom 9. bis zum 11. Jahrhundert beherrschten. Aber das waren noch keine süßen Früchte, so wie wir sie heute kennen; es waren Bitterorangen, auch Pomeranzen genannt, oder sie waren sauer und ähnelten im Geschmack den Zitronen. Die Sizilianer lernten von den Arabern, den Saft der sauren Orangen anstelle von saurem Traubensaft oder Essig zum Würzen zu verwenden und aus den Bitterorangen Saucen herzustellen. Süße Apfelsinen kamen erst im 15. Jahrhundert auf die Insel. Bartolomeo Scappi (um 1500-1577), Chefkoch im Vatikan, verwendet in seinen Rezepten fast ausschließlich saure Orangen, nur zweimal süße.

In der Renaissance wurden die sauren oder süßen Apfelsinen vom Adel auch als Vorspeise gegessen, um den Appetit anzuregen. Kandierte Orangenschalen wurden zum Abschluss des Mahles gereicht. Die bekannten Blutorangen entwickelten sich etwa 200 Jahre später in der Nähe von Palermo rein zufällig aus einer Laune der Natur heraus, einer Mutation.

Foto: Rabensteiner

 

Sowohl in der spanischen als auch in der sizilianischen Küche gibt es bis heute Gerichte, bei denen Fisch mit Orangensaft gekocht wird. Vielleicht hat das etwas mit der gemeinsamen maurischen Vergangenheit zu tun, aber es könnte auch daran liegen, dass Sizilien vom 14. bis 18. Jahrhundert zum spanischen Haus Arragon gehörte. Wann der Orangensalat entstanden ist, weiß niemand genau, aber Salate wurden früher nur in vornehmen Häusern gegessen. Die einfachen Leute aßen Orangen einfach pur.

Rezept: Orangensalat mit Räucherlachs

Die Grundzutaten des sizilianischen Orangensalats sind Orangen, Zwiebeln, Pfeffer, Zitrone und Öl. Mehr braucht man nicht. Häufig kommen noch Oliven oder Fenchel hinzu. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Varianten mit Sardellen oder mit geräuchertem Fisch wie Nsalata d’aranci e arenga (mit Hering). In einem Restaurant in Syrakus wird der Orangensalat mit Räucherlachs serviert. Hier ist das Rezept dafür aus dem Buch „Die jüdische Küche“ von Clarissa Hyman.

Zutaten für 2 Portionen: 2 Orangen, 150 g Räucherlachs, 2 Zwiebeln, 100 g grüne oder schwarze Oliven (habe ich weggelassen), Salat- oder Basilikumblätter, 4 EL Olivenöl, 2 EL Zitronensaft, Salz, Pfeffer. Zubereitung: Die Orangen schälen und filetieren, den Räucherlachs in Streifen und die Zwiebeln in Ringe schneiden. Für das Dressing Öl und Zitronensaft vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Salat mit dem Dressing beträufeln und vorsichtig vermischen. Salat- oder Basilikumblätter sind vor allem Deko.