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Als Kinder haben wir im Garten Picknick gespielt, mit karierter Decke und Plastikgeschirr; auch an den ein oder anderen Ausflug ins Grüne erinnere ich mich. Wichtigstes Utensil war dabei eine karierte Plastikkühltasche mit „Kühlelementen”, die maximal drei Stunden hielten, was ihr Name versprach. Doch obwohl es früher nicht mal Kühltaschen gab, strömten seit dem 18. Jahrhundert immer mehr Städter an Sonn- und Feiertagen hinaus in die Natur, um im Freien zu essen und sich dem Kampf mit Ameisen und Mücken zu stellen. Die ursprüngliche Idee des Picknickens war allerdings, dass jeder Eingeladene etwas Ess- oder Trinkbares mitbringt, um die Gastgeber zu entlasten; die Mahlzeit konnte auch im Haus stattfinden.

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Die Erfindung des Picknicks

Um die Erfindung des Picknicks streiten Engländer und Franzosen und dabei will ich nicht weiter stören. In beiden Ländern kam das Wort Mitte des 18. Jahrhundert auf, wenig später auch in Deutschland. Die eifrigsten Freiluft-Picknicker waren dann letztlich die Briten, die dem Vorbild von Queen Victoria nacheiferten, für die der typische Picknickkorb mit Deckel erfunden wurde, in dem Geschirr und Besteck festgeschnallt werden können.

Das Picknick des 19. Jahrhunderts war eine gut geplante Angelegenheit, zu der förmlich eingeladen wurde. Natürlich wurden auch die jeweiligen Essensspenden nicht einfach dem Zufall überlassen, damit die Gesellschaft nicht am Ende mit einem Dutzend Kartoffelsalaten und zehn Sülzen dasaß. Es war also üblich, den Gästen schriftlich mitzuteilen, was sie mitbringen sollten. Bei einer spaßigen Variante wurden die geplanten Gerichte von der Gastgeberin nummeriert und die Teilnehmer zogen Lose. In jedem Fall war sichergestellt, dass niemand einfach irgendwas brachte.

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Wir sprechen hier nicht von kleinen familiären Picknicks, die es auch gab, sondern von einer Art Sommerparty. Kochbuchautorin Isabella Beeton plant 1861 ein Picknick für 40 Personen und empfiehlt als Verpflegung kaltes Roastbeef, kaltes Rindfleisch, Lamm, Wildgeflügel, zwei gebratene Enten, einen Schinken, vier gefüllte Pies, sechs Hummer, 18 Köpfe grünen Salat, sechs Gurken, einen großen kalten Plumpudding, diverse Süßspeisen, ein paar Pfund Brot …

Die Ära der Verpackungskunst

Das musste natürlich alles zum Picknickplatz transportiert werden, mitsamt Geschirr und Besteck. Es gab weder Kühlboxen noch Tupperschüsseln. Der gewaschene und getrocknete Salat wurde in Stoffservietten gepackt, das Dressing kam in ein Schraubglas. Die Butter reiste im Porzellangefäß, das zum Kühlen mit grünen Blättern umwickelt war. Fruchtsalat füllte man in große Marmeladengläser mit Schraubverschluss. Gekochter Lachs wurde in festes Papier und dann in Kohlblätter eingewickelt. Auch die beliebten Sandwiches kamen in Kohl- oder Salatblätter, alles nochmal eingehüllt in feuchte Tücher.

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Die Erfindung der Pappteller 1867 wurde von den Ausflüglern sehr begrüßt, einige Zeit später gab es auch Pappbecher und Papierservietten. Das reduzierte den Ballast der üblichen Picknick-Ausrüstung, zu der oft auch Tische und Klappstühle gehörten, auf jeden Fall aber Wasserkessel und Spirituskocher für Tee oder Kaffee. Und wenn die Gastgeber dann auch noch an Streichhölzer, Korkenzieher, Flaschen- und Dosenöffner sowie Messer und Gabeln gedacht hatten, stand einem zwanglosen kleinen Picknick nichts mehr im Wege.

Quelle:

Every Woman’s Encyclopedia, London 1910-1912