Eton Mess
Posted by Petra Foede on 04 Jul 2010 | Tagged as: England, Rezepte
Ich muss die unaufhaltsam zu Ende gehende Erdbeersaison ausnutzen, deshalb hier noch ein Erdbeerdessert, diesmal aus England. Eton Mess ist ein Gemisch aus Erdbeeren, Sahne und zerkrümelten Baisers und wird von den Schülern des Elite-Colleges Eton traditionell beim Picknick zum alljährlichen Cricket-Match gegen die Zöglinge aus Winchester gegessen. Dieses Match ist immer am 4. Juni, ich bin also genau einen Monat zu spät dran, aber was soll’s … Es schmeckt auch im Juli.
Erdbeeren mit Schlagsahne – typisch britisch?
Mess heißt Durcheinander oder Unordnung, eine Anspielung auf das Aussehen des Desserts. Die schönste Erfindungslegende besagt, dass Eton Mess entstanden ist, als sich ein großer Labrador auf einen Picknickkorb gesetzt hat … Köstlich. In Wirklichkeit haben die Jungs von Eton (es ist eine Jungenschule) wohl einfach gerne ihr Obst zum Nachtisch vermatscht. Wobei es das, was heute Eton Mess heißt, noch nicht so wahnsinnig lange gibt. Früher war das ein relativ simpler Mix aus zerdrückten Erdbeeren oder auch Bananen mit Sahne, ohne Baiser, der im Sommer unter diesem Namen im Schulkiosk verkauft wurde. Die Baisers kamen offenbar erst in den 1970er Jahren dazu, als Idee eines Kochbuch-Autors. Und Erdbeeren mit Schlagsahne essen – das ist keine Erfindung aus Eton.
Das heißt aber nicht, dass dieses Dessert keine Vergangenheit hat, ganz im Gegenteil. Eton Mess ist nämlich im Grunde ein Fool, eine britische Süßspeise, die schon im 16. Jahrhundert bekannt war. Zunächst war das allerdings nur schaumig gerührte Sahne, vermischt mit Rosenwasser, Zucker und Ingwer, also eher ein Getränk. Mitte des 17. Jahrhunderts kamen dann zerdrückte Früchte hinzu; Stachelbeer-Fool war lange Zeit das englische Sommerdessert schlechthin. Aber Himbeeren, Erdbeeren oder Rhabarber wurden auch gerne genommen. Weshalb das Ganze Fool heißt, ist umstritten – aber wer möchte bei dieser Hitze schon in den Untiefen der Sprachforschung wühlen? Nicht einmal ich
Rezept
Nach dem Motto back to the roots habe ich Eton Mess wieder in ein Fool verwandelt und einen Teil der Erdbeeren püriert. Statt Baisers habe ich Amarettini genommen, ist mal was anderes. Zutaten: Erdbeeren, Schlagsahne, Vanillinzucker, Amarettini. Zubereitung: Einen Teil der geputzten Erdbeeren vierteln, den anderen pürieren. Schlagsahne cremig schlagen, zwischendrin Zucker zugeben. Amarettini mit einem Nudelholz oder Fleischklopfer grob zerbröseln. Die Zutaten nach Lust und Laune schichtweise in eine Dessertschale füllen. Fertig.
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6 Comments »








Danke für die ausführliche Erklärung.
Ich spiele seit gestern mit dem Gedanken, das Rezept auch mal mit Rhabarber auszuprobieren.
Ist das nicht eigentlich sowas wie Trifle? Oder gibts da noch Unterschiede… zumindest kommt beides aus England.
@Hesting: Mit Rharbarber schmeckt es sicher auch.
@Suse: Stimmt, so wie ich es gemacht habe, ist es schon fast ein Trifle, das wird ja geschichtet. Trifle hat sich auch aus dem Fool entwickelt. Da ist aber eine Schicht Biskuit obligatorisch, die gerne mit Sherry oder Rum getränkt wird und eine Creme aus Milch, Zucker und Eiern, die Custard heißt. Trifle wäre einen eigenen Artikel wert.
Durch das Gewusel der ganzen Schichtdesserts und die Unterschiede hab ich mich noch nicht durchgearbeitet. Ich hoff da mal auf deine Fachkompetenz
)
Ich wusste nicht, dass es “Fool” schon so lange gibt, sehr interessant.
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Trifle wird immer mit Kuchen, Gebäck oder Brot geschichtet. Mit Amarettini ist es daher dein Eton Mess schon fast ein Trifle
@Alle: Dank AT und Martin von kochessenz habe ich die mutmaßliche Ursache für Fehlermeldungen beim Kommentieren ausfindig gemacht und den hyperaktiven Spamfilter von Strato ausgeschaltet. Ich hoffe, dass jetzt wieder jede/r hier kommentieren kann, der das tun möchte.