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Angeblich sind Königsberger Klopse das bekannteste Regionalgericht der deutschen Küche, also bei uns Deutschen. Sagt jedenfalls das Forsa-Institut, und das wird es wissen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Gericht, an dem sich die Geister scheiden, weil nicht jeder Kapern mag, und die gehören nun mal auf jeden Fall rein. Deshalb kommt eine nicht repräsentative private Umfrage eines beliebten Food-Bloggers zu dem Ergebnis, dass eigentlich niemand  vor dem 18. Lebensjahr freiwillig Königsberger Klopse isst. Insofern muss ich einen ziemlich ausgefallenen Geschmack haben, denn ich mochte sie eigentlich schon als Kind. Liegt vielleicht an den Genen, bei einer ostpreußischen Großmutter …

 

Zur Geschichte der Klopse

Die Herkunft der Klopse scheint klar wie Kloßbrüh, denn sie tragen den Namen der ostpreußischen Stadt Königsberg (heute Kaliningrad) ja schon im Namen. Meine Recherche für die Rezeptforschung hat aber ergeben, dass sie früher nicht nur in ganz Ost- und Westpreußen verbreitet waren, sondern auch in Posen und im Baltikum. Die Klopse waren ursprünglich auch nicht aus Hackfleisch, und sie hießen noch “Feine Klopse” oder “Klopse von Kalbfleisch”. Wobei sie in Ostpreußen immer nur “Klops” im Singular hießen. Klopsen sagte man im dortigen Dialekt, wenn man klopfen meinte, und “Klopse” waren Schläge (aufs Hinterteil zum Beispiel). Kein Wunder, dass die niemand wollte …

Hackfleisch aus rohem Fleisch kennt und isst man hierzulande erst seit etwa 200 Jahren. Das heutige Rezept für Königsberger Klopse hat sich im Laufe der Zeit entwickelt und verändert, ursprünglich handelte es sich dabei um mürbe geklopfte Fleischstücke, durchaus vergleichbar mit dem Wiener Schnitzel, die dann in einer säuerlichen Sauce geschmort wurden. Der englische collops ist heute noch eine Scheibe gebratenes Fleisch. Sehr interessant finde ich das älteste mir bekannte “Klops”-Rezept aus Königsberg selbst, aus dem Jahr 1805, in dem dünn geklopfter Fleischscheiben zu einer Art Auflauf übereinander geschichtet werden – mit unseren Hackfleischbällchen hat das wirklich noch gar nichts zu tun.

Dass die Hackfleischmasse früher mit gehackten Sardellen “gestreckt” wurde, halte ich für ein Gerücht, dafür wären eingeweichte Brötchen – die auch reinkommen – ja viel besser geeignet gewesen. In Wirklichkeit ging es dabei sicher um den Geschmack. Früher war auch Sardellensauce zu Kalbfleisch sehr beliebt, keineswegs nur in Preußen.

Rezept

Die Klopse habe ich nach einem Rezept meiner Mutter gemacht (ohne Sardellen) und die Sauce nach einem Rezept von Stevan Paul, das in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Effilee erschienen ist. Ich fand die Sauce ungewohnt dünnflüssig, aber geschmacklich sehr gut.

Zutaten für 4-6 Personen: 500 g Hackfleisch (halb Rind, halb Schwein), 1-2 altbackene Brötchen (oder Semmelbrösel), 2 Zwiebeln, 2 Eigelb, Salz, Pfeffer, Muskat, evtl. 1-3 klein gehackte Sardellen. Für die Sauce: 150 ml Weißwein, 40 g Butter, 20 g Mehl, 50 g Kapern, 1 EL Kapernflüssigkeit aus dem Glas, 150 ml Sahne, Muskat, eine Prise Zucker. Zubereitung: Zwiebeln kurz in Butter andünsten. Das Hackfleisch mit den Zwiebeln, Eigelb, den ausgedrückten Brötchen oder Semmelbröseln und Gewürzen gut vermengen und daraus Klopse in Golfballgröße formen. Einen Liter Salzwasser oder Rindsbrühe zum Kochen bringen, die Hitze reduzieren und die Klopse in der leicht siedenden Brühe etwa 15 Minuten garziehen lassen. Dann herausnehmen und in Alufolie warm halten (an der Luft werden sie dunkel). Für die Sauce Mehl und Butter verkneten. Den Weißwein kurz aufkochen, mit 300 ml durchgesiebter Klopsbrühe, Sahne und Kapernflüssigkeit auffüllen, aufkochen und die Mehlbutter einrühren. Kurz offen kochen lassen, dann die Kapern zugeben, mit Salz, Pfeffer, Muskat und einer Prise Zucker würzen. Die Klopse in die Sauce geben und ein paar Minuten darin ziehen lassen. Typische Beilage sind Salzkartoffeln.

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