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Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet, bemerkte dass ihm das missriet. Jedoch, da er es selbst gebraten, tut er, als wär’ es ihm geraten …

(Eugen Roth)

Das Wiener Schnitzel ist der bekannteste Export der Wiener Küche und gilt als ihr Meisterstück. Ein gelungenes kälbernes Schnitzel gehörte früher zu den Proben für angehende österreichische Hausfrauen – schön flach geklopft, in der richtigen Reihenfolge paniert und goldbraun ausgebraten. Das klingt viel einfacher als es in der Realität ist. Nicht umsonst gab eine Wiener Kochschule 1902 eigens eine Anleitung für Schnitzel heraus, in der zu lesen ist: „In den Privathäusern kommt es häufig vor, daß Klagen über die Schnitzel geführt werden. Aus welchen Gründen? – Weil die Schnitzel holperig, verbogen aussehen und oft schwarze Tupfen haben. Die Ursachen sind die, daß das Schnitzel zu langsam gebraten wurde … Schwarze Tupfen entstehen, wenn das Fett nicht gewechselt und die Pfanne nicht mit Papier gereinigt wurde.”

Foto: Leipnizkeks via Wikipedia Commons

Foto: Leipnizkeks via Wikipedia Commons

Radetzky und das Costoletta alla milanese

Angeblich ist das Wiener Schnitzel ja eine kulinarische Eroberung von Feldmarschall Joseph Radetzky (1766-1858), der in der Lombardei das Costoletta alla milanese kennen gelernt haben soll und das Rezept an den Hofkoch des Kaisers schickte. Eine tolle Anekdote, die seit mindestens zehn Jahren eindeutig widerlegt ist, aber immer wieder gerne erzählt wird. Es gibt zu dieser Legende ein Kapitel in meinem Buch Wie Bismarck auf den Hering kam und einen ausführlichen Text auf meiner Webseite, deshalb fasse ich mich hier kurz. Die Radetzky-Geschichte hat sich einfach mal jemand ausgedacht. Vielleicht hat der alte Herr in Mailand paniertes Kotelett gegessen, aber das ist reine Spekulation. Hohe Militärs hatten immer ihre eigenen Leibköche dabei; die von Radetzky kamen aus Österreich.

Feldmarschall Radetzky

Feldmarschall Radetzky

Wiener Köchinnen mussten das Panieren nicht von den Mailändern lernen, wie das Backhendl beweist, und panierte Kalbsschnitzel kannten sie schon, als Radetzky geboren wurde (siehe meine Rezeptforschung). Ungeklärt ist dagegen, seit wann es das Costoletta alla milanese gibt. Ganz sicher nicht seit 1134, wie immer wieder behauptet wird. Zu dieser Zeit wurde Fleisch am Spieß oder auf dem Rost gebraten und zum Schluss manchmal mit Brotbröseln bestreut, damit es eine Kruste gab. Das hat nichts mit modernem Panieren zu tun. Das älteste nachweisbare Rezept für das Mailänder Kotelett erschien 1855 – und es würde mich nicht wundern, wenn das eine Kopie des Schnitzels ist. Was die Italiener natürlich weit von sich weisen …

Rezept von Franz Ruhm

Hier eine detaillierte Anleitung für Wiener Schnitzel von Franz Ruhm:

Für Wiener Schnitzel eignet sich jedes Schlegelfleisch (vom Kalb), also sowohl Fricandeau wie auch Schale und Nuß, ersteres aber besonders … Das Schnitzel darf nicht zu dünn geklopft werden, da es sonst beim Backen zu leicht austrocknet. Die Hautränder werden an einigen Stellen „eingepickt”, d.h. Durchschnitten, womit ein Zusammenziehen beim Braten vermieden wird. Das Panieren geht der Reihenfolge nach vor sich, indem das Schnitzel zuerst gesalzen und von beiden Seiten bemehlt wird, sodann zieht man es durch Ei, wozu auf ein Ei eine halbe Eischale voll Wasser und ein Kaffeelöffel voll Öl kommt und gut verquirlt wird. Nun hüllt man das Schnitzel in möglichst gleichkörnige Semmelbrösel ein, wobei die Brösel lediglich ein wenig angedrückt, aber nie angeklopft werden dürfen, wie das häufig geschieht.

Das Panieren soll immer erst knapp vor Tisch vor sich gehen, da durch zu langes Liegen die Brösel den Fleischsaft anziehen und beim Backen dann nie mehr mürbe und knusprig werden können … Das Backfett muß so heiß sein, daß eine naßgemachte Gabelspitze, die man darein taucht, ein empörtes Zischen verursacht. Ferner soll soviel Fett in der Pfanne sein, daß das Schnitzel „schwimmen” kann … Ein Schnitzel, das in gut erhitztes Fett eingelegt wird, kann schon nach 1 2/2 – 2 Minuten goldgelb umgedreht werden, worauf man es auf der anderen Seite ebenso lange fertig bäckt, gut abtropfen läßt und mit Zitronenspalte und etwas gezupfter Petersilie garniert … Werden mehrere Schnitzel für eine Mahlzeit gebacken, dürfen sie nicht übereinandergelegt und auch nicht in einem Geschirr liegend zugedeckt warm gehalten werden, da dadurch die Bröseldecke aufweicht.

Franz Ruhm: Kochbuch für Alle, Wien ca. 1935

Mehr zum Thema: Die Geschichte von Wiener Schnitzel und Costoletta alla milanese