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Ich habe es im Blog bisher noch nicht erwähnt, aber wir befinden uns mitten in der vorösterlichen Fastenzeit, oder eigentlich schon fast an ihrem Ende. Die Protestanten haben die strikten kollektiven Fastenregeln schon im 16. Jahrhundert hinter sich gelassen, aber für Katholiken waren sie noch bis in die 1960er Jahre verbindlich. Ursprünglich waren diese 40 Tage von den Kirchenlehrern als Zeit der Enthaltsamkeit und eben des Fastens, also des Verzichts auf reichhaltiges Essen, gedacht, doch der menschliche Geist ist erfinderisch. Ausgerechnet die Klosterküchen scheuten keine Mühen, die verordnete Mäßigung durch abwechslungsreiche Fastengerichte und Naschwerk so erträglich wie möglich zu gestalten. Motto: Hauptsache, es ist kein Fleisch!

Pieter Bruegel: Der Kampf zwischen Karneval und Fasten

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Hühner – weder Fisch noch Fleisch

Am besten gefällt mir die jahrhundertelange Diskussion über Hühner als klösterliche Fastenspeise, die gewitzte Denker in eine eigene Kategorie „weder Fisch noch Fleisch” einordneten. Der Gelehrte Hrabanus Maurus (780-856) argumentierte völlig ernsthaft: „Schuf nicht Gott alle Vögel und Fische am selben Tag? Sind nicht beide, Fisch wie Vogel, aus der Tiefe des Meeres hervorgekommen?” So gesehen sind Hühner mit den Fischen ja nun wirklich eng verwandt … Also war gegen Geflügel als Fastenspeise eigentlich nichts einzuwenden, man musste es nur korrekt zubereiten. Maurus’ Anweisung: „Rupf das Huhn fein säuberlich, stürze es dann tief in einen großen Topf kochenden Wassers, bis es gar wird. Aus dieser Tiefe herauskommend kann der Vogel wie alle anderen Schöpfungen des Meeres von geistlichen Personen gegessen werden.” Auch der Biber musste es sich gefallen lassen, als Fisch betrachtet zu werden, um die klösterlichen Fastenmahlzeiten zu bereichern – schließlich hat sein Schwanz Schuppen.

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Zu wahrer Meisterschaft brachten es die Klosterküchen bei der Erfindung von Süßspeisen und Konfekt, um über den Verzicht auf Fleisch hinwegzutrösten. Die Tradition der österreichischen Mehlspeisen hat sich aus den Fastenvorschriften entwickelt inklusive mit Obst gefüllten Knödeln, Nudeln und Nockerln. Seit dem 13. Jahrhundert gab es in mitteleuropäischen Klöstern Reis, den man zum Beispiel mit Mandelmilch kochte und mit Honig süßte. Zu dieser Zeit wurden in Frankreich auch schon Crêpes gebacken, in Deutschland Waffeln und Pfannkuchen. Sicher gab es manchmal auch einfach Haferbrei, aber verfeinert mit Nüssen und getrockneten Früchten. Sehr beliebt war es, verbotene Fleischgerichte nachzuahmen. Hier habe ich ein Klosterrezept des 15. Jahrhunderts für falsche Bratwürste gefunden:

So nimm gute Feigen, übersiede sie und stoß sie klein in einem Mörser. Hack sie vorher auch klein und leg sie auf ein Brett. Nimm geriebenen Lebkuchen darunter und wälze ihn so lang, wie eine Bratwurst ist. Mach einen dicken Straubenteig von Wein und ziehe die Würste dadurch. Backe es dann schön. Gib einen Zucker dazu.

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Blancmanger

Zu einem echten Klassiker entwickelte sich das mittelalterliche Blancmanger, was soviel heißt wie „weiße Speise” und in Kochbüchern oft als „Blanmenschir” oder Ähnliches auftauchte. Ursprünglich enthielten die Rezepte dafür in Milch gekochtes Geflügel oder Fisch. Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus eine süße Nachspeise, die bei uns auch Mandelsulz genannt wurde. Hier ist ein schon ziemlich modernes Rezept von Henriette Davidis:

Zutaten für 12 Portionen: ½ l süße Sahne, ½ l Milch, 1 Stange Agar-Agar oder 40 g aufgelöste Gelatine, 125 süße und 3 Stück bittere Mandeln (gerieben), 125 g Zucker, ein Stück Vanille und einige Stücke Zimt. Zubereitung: Die Gewürze werden in die heiße Milch gegeben und einige Zeit darin ziehen gelassen, danach wird die Gewürzmilch durch ein Sieb gegossen, mit Mandeln, Zucker, Sahne und Gelatine 10 Minuten gekocht und vom Feuer genommen. Ab und zu umrühren, bis die Masse abgekühlt ist, in eine mit Fett bestrichene Porzellanform geben und kalt stellen. Vor dem Servieren stürzen. Als Sauce: Sauce von frischem Johannisbeersaft, eingekochter Fruchtsaft, gekochte rote Weinsauce, weiße Schaumsauce und andere mehr.

Literatur:

Norman Foster: Schlemmen hinter Klostermauern. Die unbekannten Quellen europäischer Kochkunst, Hamburg 1980