Die Nacht des Feuers – die Fallas in Valencia
Posted by Petra Foede on 19 Mrz 2010 | Tagged as: Spanien
Diesmal geht es hier ausnahmsweise nicht um Kulinarisches, obwohl man in Valencia durchaus gut essen kann, nicht nur Paella. Aber heute ist der Tag des heiligen Josef und das ist der letzte Tag der Fallas mit der „Nacht des Feuers”. Ab 23 Uhr werden hunderte riesige Pappmaché-Figuren vor den Augen von unzähligen Zuschauern in Flammen aufgehen. Ich war früher häufiger in Valencia und habe dieses Schauspiel und auch die Tage davor zweimal miterlebt. (Fotos zum Vergrößern anklicken)
Die Fallas werden vom 15. bis 19. März gefeiert und sind eine Mischung aus Karneval, Winterabschied und Frühlingsfest. Der Ursprung dieses Brauchs soll auf das 16. Jahrhundert zurückgehen, als die Zimmerleute am Ende des Winters ihre hölzernen Kerzengestelle und alte Lumpen feierlich verbrannten. Ein bisschen mehr zu Geschichte kann man hier nachlesen.
Hauptattraktion des Festes sind die haushohen Skulpturen, die humorvoll aktuelle Probleme oder bekannte Personen aufs Korn nehmen, teilweise aber auch einfach nur fantasievoll sind. Manche Bedeutungen erschließen sich ohnehin nur den Einheimischen. Diese Figurengruppen heißen Fallas und werden von den Stadtteilen und Vereinen in monatelanger Arbeit hergestellt und privat finanziert. Jeder Verein hat als Repräsentatinnen seine Falleras, Valencianerinnen in traditioneller Tracht.
Musikkapellen spielen die ganze Woche lang seit dem frühen Morgen, die Falleras und Falleros ziehen durch die Straßen, jeden Abend steigt ein großes Feuerwerk im trockenen Flussbett des Turia. Außerdem gibt es täglich um 14 Uhr an jeder Falla eine mascletà, bei der Pyrotechniker im Sekundentakt hunderte von lautstarken Böllern zünden, in wechselndem Rhythmus und mit speziellen Effekten. Das Ganze ist extrem laut, es kracht und stinkt – und die Valencianos lieben es. Für diejenigen, die nicht hautnah dabei sein können, werden die mascletàs im regionalen Fernsehen täglich live übertragen.
Hier ist das Video der Live-Übertragung vom 19. März 2009; die eingeblendete Zahl gibt übrigens die Lautstärke der Böller in Dezibel an.
Die größte Falla steht immer vor dem Rathaus, auf der Plaza del Ayuntamiento, und da gibt es auch die größte mascletà und das größte Spektakel in der Nit del Foc, der Nacht des Feuers. Alle anderen Fallas werden um 23 Uhr angezündet, danach strömen die Menschenmassen zum Rathaus, um die feierliche crèma ab Mitternacht hier mitzuerleben. Ich hatte das Glück, einen Logenplatz auf einer Dachterrasse zu haben, aber die emotionale Stimmung bekommt man am besten unten mit. Den Auftakt bildet eine mascletà mit Feuerwerk direkt an der Falla, dann hält die Fallera mayor eine Fackel an die Zündschnur, die kurz darauf das Symbol ihrer Regentschaft entflammt. Die Falla ist im Idealfall so präpariert, dass sie gleichmäßig abbrennt und nicht direkt in sich zusammenfällt. Bei den ersten Flammen geht ein Raunen durch die Menge. Und dann setzt Musik ein, die Klänge der Hymne, live gesungen – nicht die von Spanien natürlich, sondern die von Valencia:
Per ofrenar noves glòries a Espanya, tots a una veu, germans, vingau. Ja en el taller i en el camp remoregen càntics d’amor, himnes de pau!
Kommt Brüder, alle mit einer Stimme, um neue Ehren für Spanien zu bringen. In der Werkstatt und auf dem Feld hört man schon Gesänge der Liebe, Hymnen des Friedens!
Die Valencianer singen zumindest den Refrain mit, die Falleras auf dem Rathausbalkon schluchzen ergriffen, während die Flammen haushoch lodern und die Falla langsam in einen Haufen Asche verwandeln. Es hat etwas von einer ganz besonderen Opernaufführung, und man muss schon sehr unemotional sein, um da keine Gänsehaut zu kriegen. Bei uns würde man diese Inszenierung unerträglich kitschig finden, aber Spanier zelebrieren Pathos mit Würde und einer gewissen Leidenschaft. Und wenn die letzte Glut erloschen ist, versinkt Valencia nicht in Melancholie und Weltschmerz, sondern es wird natürlich bis zum Morgen ausgiebig gefeiert.
Hier die Live-Übertragung der Crèma 2008:
Cremà Plaza del Ayuntamiento 2008 Teil 1
Cremà Plaza del Ayuntamiento 2008 Teil 2
2 Comments »

















I thought for sure that I would get to share the Feast of St. Joseph on my blog this year but I just couldn’t do it. I’m delighted to see that you have shared it with us. It sure does look like some party!!!
My grandmother always made Zeppole di San Giuseppe (St. Joseph’s Day Cream Puffs) on this day. I think she once told me St. Joseph was the patron Saint of confectioners.
Thanks for sharing, Petra. I have a feeling this is the closest I’ll ever get to the celebration:)
Hi Louise! I had these photos for years in my album (I didn’t have a digital camera then) and finally wanted to share them. Zeppole I don’t know but sure it’s something special. As far as I know St. Joseph is the patron of the carpenters because that was his profession. Isn’t San Lorenzo the patron of confectioners and cooks?