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Katharina Schratt wäre als Schauspielerin des Wiener Burgtheaters heute vielleicht vergessen, wäre da nicht ihre jahrzehntelange enge Beziehung zu  Kaiser Franz Joseph gewesen. Trotz ihres Berufs galt sie als ausgesprochen natürlich und gutbürgerlich, zudem als gute Hausfrau und Köchin. Ihr privates Kochbuch existiert noch und enthält auch ein Rezept für den legendären Gugelhupf, den sie angeblich frühmorgens selbst für Ihre Majestät buk. Jedenfalls erzählte man sich das in Wien, wo die „Frühstücksbeziehung” allseits bekannt war.

Katharina Schratt

Katharina Schratt

Die Freundin des Kaisers

Kathi Schratt (1853-1940) stammte aus gutbürgerlichem Hause und ging gegen den Willen ihrer Eltern zur Bühne. Nach einigen auswärtigen Engagements kam sie 1883 zum Wiener Burgtheater, was ihr eine Audienz beim Kaiser eintrug. Nähere Kontakte gab es erst zwei Jahre später, durchaus gefördert von Kaiserin Elisabeth alias Sisi, die das Eheleben mied wo es nur ging. Die Freundschaft zwischen der verheirateten Schauspielerin – ihr Mann lebte überwiegend im Ausland – und dem Monarch ist durch zahlreiche Briefe dokumentiert, in der er sie zwar „meine liebe Freundin” nennt, sie aber ganz nach Protokoll immer bei „Majestät” bleibt.

Kaiser Franz Joseph 1885

Kaiser Franz Joseph 1885

Der von seinem Wesen her zutiefst bürgerliche Kaiser, der einen guten Beamten abgegeben hätte, fand bei Kathi Schratt offenbar das, was er suchte, seelisch wie leiblich. Die wohl gerundete Schauspielerin war im Gegensatz zur mageren Sisi keine Kostverächterin; sie aß gerne und gut, hatte eine Vorliebe für die französische Küche, vor allem aber für Mehlspeisen, Desserts und Torten. Sie speiste im Sacher und war Stammgast bei Demel. Franz Joseph war dagegen mit Tafelspitz, Würsteln und Gugelhupf schon vollauf zufrieden. Die Schratt traktierte ihn manchmal mit Ausgefallenerem und schrieb dann hinterher Dinge wie „… ich bin gestern den ganzen Tag von der Sorge gequält worden, ob der Hummer im Risotto nicht schwer verdaulich war.”

Kaiser-Frühstück mit Gugelhupf

Am liebsten kam der Kaiser frühmorgens zur Jause mit Kipferln, Milchkaffee, allerlei Gebäck und eben besagtem Gugelhupf; auch seine Lieblingszigarren standen bereit. Wenn er um 6.30 Uhr bei der Schauspielerin erschien, war das für ihn schon das zweite Frühstück, denn schon um 4 Uhr hielt ihn nichts mehr im Bett. Schlicht wie er nun mal war, verschwendete er nie einen Gedanken daran, dass seine Freundin einen völlig anderen Tagesablauf hatte und sonst nie so früh wach war. Sie musste schließlich schon komplett frisiert und angekleidet sein und angeblich hatte sie ja schon mitten in der Nacht den Kuchen in den Ofen geschoben … Das tat sie natürlich nicht, das war die Aufgabe ihrer Köchin, die dafür um 4 Uhr aufzustehen hatte. Und im Urlaub in Bad Ischl, da kam der Gugelhupf dann von der Konditorei Zauner – nur „als Reserve für den Notfall” natürlich …

Das Paar in Bad Ischl (1910)

Das Paar in Bad Ischl (1910)

Weit hatte es der Kaiser nie zur Freundin: In Wien kaufte er ihr ein Haus in der Gloriettegasse, das er diskret durch einen versteckten Eingang im Schlosspark betreten konnte, und in Bad Ischl eine Villa, die nur einen Steinwurf von seiner entfernt war, verbunden durch einen kleinen Privatweg. So viel Diskretion angesichts einer öffentlich bekannten platonischen Verbindung?

Doch die Schratt hatte eine Vorgängerin: Die erste „Frühstücksfrau” des Kaisers hieß Anna Nahowski (1860-1931), war ebenfalls bürgerlich verheiratet und bewirtete ihn von 1875 bis 1888 regelmäßig frühmorgens mit Kipferln und Milchkaffee. Anders als Kathi führte sie nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein Tagebuch, das 1976 von ihrer Familie zur Veröffentlichung freigegeben wurde und das genug intime Details über die Treffen enthält. Auch Anna blieb stets respektvoll bei der Anrede „Majestät”, all die Jahre. Die heimlichen Besuche endeten offenkundig, als die Schratt dem anhaltenden Werben Franz Josephs nachgegeben hatte. Nicht nur dem um den Gugelhupf.

Salzburger Nockerln

Das war nun ein bisschen historischer Kaffeeklatsch. Zum Abschluss noch ein Familienrezept aus dem Kochbuch der Katharina Schratt für Salzburger Nockerln.

Zutaten: 60 g Butter, 120 g Zucker, 6 Eigelb, 6 Eiweiß, 20 g Mehl, 200 ml Milch. – Zubereitung: Feuerfeste Form mit etwas Butter einfetten und Milch eingießen. Die weiche Butter mit der Hälfte des Zuckers schaumig rühren, anschließend nach und nach die Dotter zugeben. Das Eiweiß mit dem restlichen Zucker zu Schnee schlagen. Den Eischnee locker unter die Buttermasse heben und gleichzeitig das Mehl einsieben. Mit zwei großen Esslöffeln Nocken formen und in die Form setzen. Im Backofen auf mittlerer Schiene bei 220 Grad ca. 4 Minuten backen ohne die Backofentür zu öffnen. Mit Puderzucker bestreuen und mit „Kanarimilch” (dünnflüssige Vanillesauce) auftragen.

Literatur:

  • Bascha Batorska: Es hat ihm sehr geschmeckt. Aus der Küche und dem Leben der Katharina Schratt, Ibera Verlag, Wien 1998
  • Friedrich Saathen: Anna Nahowski und Kaiser Franz Joseph, Böhlau Verlag, Wien 1986