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Zurück in die Fünfziger Jahre: Die ARD zeigt am Mittwoch, 25. November, um 20.15 Uhr einen Film über Aufstieg und Fall des ersten deutschen Fernsehkochs Clemens Wilmenrod, den Erfinder des Hawaii-Toasts. Hauptdarsteller in „Es liegt mir auf der Zunge” sind Jan Josef Liefers und Anna Loos als Wilmenrods Ehefrau Erika. Der Sender kündigt eine kleine Zeitreise an, Erinnerungen an die Wirtschaftswunderjahre und die Kinderstube des deutschen Fernsehens, im Mittelpunkt der damalige TV-Star Wilmenrod, der in Wirklichkeit gar kein Koch, sondern Schauspieler war und fehlende Erfahrung am Herd durch muntere Dampfplauderei ausglich.

Filmszene mit Jan Josef Liefers (Screenshot der ARD-Webseite)

Filmszene mit Jan Josef Liefers (Screenshot der ARD-Webseite)

Als Wilmenrods Kochshow „Bitte in zehn Minuten zu Tisch” am 20. Februar 1953 zum ersten Mal live ausgestrahlt wurde, gab es im Nachkriegsdeutschland erst seit wenigen Monaten ein tägliches Fernsehprogramm; die meisten Haushalte hatten noch keinen Fernseher. Bei den übrigen erreichte der Hobbykoch jeden Freitagabend zur besten Sendezeit extrem hohe Einschaltquoten – es gab allerdings auch nur ein Programm. Die Hausfrauen erlagen reihenweise seinem Gesäusel und seinem weltmännischen Charme. Ein Mann mit Schürze am Herd – das war in den Fünfziger Jahren eine Sensation. Männer konnten damals bestenfalls Kaffee und Eier kochen.

Gut, viel mehr konnte Wilmenrod eigentlich auch nicht, wie professionelle Kritiker ihm bald vorwarfen, nicht mal ein Huhn konnte er richtig zerlegen, aber das tat seiner Beliebtheit keinen Abbruch. Das Genick brach ihm schließlich seine ständige Schleichwerbung für diverse Geräte wie Heinzelkoch und Schneidboy; die Verträge schloss seine geschäftstüchtige Gattin ab. 1964 wurde die Kochshow eingestellt; der plötzlich in die Bedeutungslosigkeit abgesunkene Schauspieler nahm sich drei Jahre später das Leben.

Beim Internationalen Filmfestival Zoom in Spanien wurde „Es liegt mir auf der Zunge” gleich zweimal prämiert: mit dem Kritikerpreis als bester europäischer Fernsehfilm und mit dem Preis für die beste Regie (Kaspar Heidelbach). Das Drehbuch schrieb übrigens Lothar Kurzawa.

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