Share in top social networks!

Foto: MarcelGermain

Foto: MarcelGermain

Was sind aller Dichter Worte gegen eine Sachertorte – okay, das Zitat habe ich jetzt gefälscht, so enthusiastisch hat ein Schriftsteller eigentlich mal der Linzer Torte gehuldigt, aber zu dieser Torte passt der Spruch mindestens ebenso gut. Das Original mit der Marillenkonfitüre in der Mitte gibt es im Hotel Sacher in Wien und wird jedes Jahr zu tausenden in alle Welt verschickt. Die Konditorei Demel stellt zwar eine ganz ähnliche Torte her, nach einem alten Rezept der Familie Sacher, mit der Konfitüre direkt unter der Glasur – sie darf sie aber nicht „original” nennen, das haben die Gerichte entschieden. Welche Version nun besser schmeckt, die bei Sacher oder die vom Demel, kann jeder Wien-Besucher zum Glück selbst entscheiden. Wie so vieles ist es Geschmackssache.

Die Metternich-Legende

Unbestritten ist dagegen, wer die Torte erfunden hat, nämlich Franz Sacher, der Vater des Hotelgründers. Allerdings nicht für den Wiener Kongress 1814/15, wie der Larousse gastronomique zumindest noch bis vor kurzem behauptete (ich weiß nicht, was in der aktuellen Ausgabe steht). An diesem konnte Sacher leider nicht teilnehmen – er wurde nämlich erst ein Jahr später geboren. Nein, er schuf sein Meisterwerk erst 1832 als Lehrling im Haus des Fürsten Metternich, als er für den erkrankten Hofkonditor einspringen musste, das weiß in Österreich doch jedes Kind …

Auf die Gefahr hin, mich bei den Wienern unbeliebt zu machen, verrate ich hier mal ein Geheimnis: Diese allgemein verbreitete Geschichte stimmt auch nicht. In Wirklichkeit war diese Schokotorte nicht für Metternich, und es ist auch nicht bekannt, ob er sie jemals gegessen hat. Wie es wirklich war … das erzähle ich in meinem Buch Wie Bismarck auf den Hering kam. Ein kleiner Tipp: Es steht auf Seite 187.

Petra Foede: Wie Bismarck auf den Hering kam. Kulinarische Legenden, Verlag Kein & Aber, Zürich 2009 (14,90 €)

Mehr zum Thema: Sachertorten-Rezepte