Club Sandwich
Posted by Petra Foede on 16 Aug 2009 | Tagged as: Rezepte, USA
Ich mag Sandwiches, weil sie so schön schnell zubereitet sind. Die Mutter aller Sandwiches mag zwar Engländerin sein, aber die bekanntesten Sprösslinge stammen allesamt aus den Vereinigten Staaten. Ganz oben auf der internationalen Hitliste steht das Club Sandwich mit Huhn, Schinken, Salat und Mayo, das es vermutlich weltweit in jeder guten Hotelbar gibt.
Dieses Sandwich gibt es seit über 100 Jahren und etwa genau so lange rätselt die amerikanische Nation darüber, wer es wohl erfunden hat. Natürlich kursiert auch zu diesem Klassiker die unvermeidliche Anekdote von dem Mann, der spät abends hungrig nach Hause kommt, den Kühlschrank inspiziert und dann aus den vorgefundenen Resten auf die Schnelle ein Sandwich improvisiert … Diese Story ist aber quasi der running gag der modernen Küchengeschichte, die wird zu jedem zweiten Gericht erzählt.
Imbiss der Country Clubs
Am wahrscheinlichsten ist, dass dieses Sandwich Ende des 19. Jahrhunderts in einem der zahlreichen amerikanischen country clubs entstanden ist, in denen Männer bei ein paar Drinks und Glücksspielen gern ihren Feierabend verbrachten. Jeder angesehene Club verfügte über eine eigene Küche und einen Speisesaal. Besonders häufig wird der Club in Saratoga Springs im Bundesstaat New York genannt, wo angeblich auch die Kartoffelchips erfunden wurden.
Eine andere Theorie ist, dass das Club Sandwich gar nichts mit einem Herrenclub zu tun hat, sondern zuerst in den Lunch-Abteilen der Überlandzüge als Imbiss serviert wurde, für die Reisenden, denen das Essen im Speisewagen zu teuer war; diese Abteile wurden wegen ihrer Ausstattung mit Sesseln auch club car genannt.
Ich favorisiere die Herrenrunden-Theorie, denn zum einen gab es früher auch die Bezeichnung club house sandwich, während nie von einem club car sandwich die Rede war. Zum anderen wird fast immer knusprig gebratener Schinkenspeck verwendet, früher wurde das Sandwich manchmal sogar warm serviert. Das heißt, es gehörte nicht zur kalten Küche und deshalb auch eher nicht zum Angebot eines Imbiss-Bufetts im Zug. Ich gehe davon aus, dass im Grunde jeder Club sein eigenes Sandwich hatte, wobei Hühnchen und Bacon gerade große Mode waren. Im Laufe der Zeit verschmolzen verschiedene Rezepte zu dem Club Sandwich, das ein Synonym wurde für ein üppig belegtes Sandwich mit Mayonnaise.
Das älteste Rezept von 1897
Die ältesten Rezepte, die Barry Popik gefunden hat, stammen aus dem Jahr 1897, das früheste ist dieses:
„Ein Club house sandwich wird zubereitet, indem man ein Salatblatt auf eine dünne Scheibe gebuttertes Brot legt, darauf eine dünne Scheibe (Rinds)Zunge, Schinken oder Pute, darauf ein pochiertes Ei, dann eine dünne Scheibe Schinken, ein Salatblatt und zuletzt wieder eine dünne Scheibe gebuttertes Brot.“
In den 1920er Jahren kam eine weitere Etage hinzu, was die „Unfallgefahr“ beim Essen natürlich erhöhte. Der bekannte Küchenchef James Beard war ein erklärter Gegner jeglicher Sandwich-Hochstapelei und bemerkte bissig, wer immer mit diesem Unsinn angefangen habe, sollte gezwungen werden, für den Rest seines Lebens dreimal täglich einen three-decker zu essen.
Rezept:
Zutaten pro Person: 3 Scheiben Toastbrot, Mayonnaise, 2 Salatblätter, 150 g gekochte oder angebratene Hähnchenbrust, ein paar Tomatenscheiben, 4 Scheiben knusprig gebratener Bacon (Schinkenspeck). Zubereitung: Die Brotscheiben toasten, jede Scheibe dünn mit Mayo bestreichen. Auf die erste Scheibe ein Salatblatt legen, darüber die in Scheiben geschnittene Hähnchenbrust. Diese Lage mit einer Toastscheibe abschließen, Mayoseite oben, darauf Salat und die Tomatenscheiben legen, obenauf den Bacon. Den Abschluss bildet die dritte Brotscheibe, Mayo nach unten. Wer wie in den Hotelbars hübsche Dreiecke haben möchte, sollte das Brot am besten schon vor dem Belegen entsprechend schneiden, weil die Konstruktion sonst beim Schneiden leicht auseinanderfällt.
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8 Comments »








Wo es herkam, wusste ich bis jetzt noch nicht. Wo es hingeht, weiß ich immer ganz genau. Very lecker meal!
auf die dinger steh’ ich seit vielen jahren. dazu gehören unbedingt noch pommes frites oder chips. und ganz besonders gut schmeckt das club sandwich bei sprüngli in zürich.
ich finde dieses Sandwich auch echt lecker, am besten natürlich mit Chips oder Pommes. Da sind mir die gefühlten 8000 Kalorien auch einfach mal egal
Toller Arikel, ich liebe dieses Sandwich. mag sich blöd anhören aber das tatsächlich beste habe ich in Japan in einem Golfclub gegessen. Lol, ich hoffe ich bekomme das auch nochmal so hin.
Mein bestes Club Sandwich gab es im April dieses Jahres auf der Terasse des wunderbar britischen Hotels Eynsham Hall, in dem ich anlässlich einer Konferenz war. Das schöne daran war, dass man es auf einem Riesenteller mit Besteck und einer Stoffserviette servierte. Denn ich bekleckere mich sonst von oben bis unten mit diesen Dingern!
wie man sieht gibt es dieses Sandwich wirklich weltweit. Mit Besteck könnte ich ein dreistöckiges Sandwich aber wahrscheinlich auch nicht kleckerfrei essen. Am besten wäre dafür so ein Umhang wie beim Friseur
Das Besteck wurde nicht verwendet, aber die riesige Stoffserviette!
na, ich bin ja kein so grosser sandwich-fan, aber es gibt hier in der nähe eine caffe-bar, die sandwich aus flachen brötchen, eher fladen mit rohem schinken, käse,ruccola und einem art joghurtdressing macht, und diese dann im “waffeleisen” erhitzt. da kann ich nur sagen: superlecker.
die doppeldecker sind also mittlerweile italienisiert, was ihnen meineserachtens gut bekommt.