Share in top social networks!

Rote Grütze ist vor allem in Norddeutschland eine beliebte sommerliche Süßspeise aus roten Beeren und/oder Kirschen, traditionell mit Milch oder ungeschlagener Sahne gegessen. Wer sie an welchem Ort zuerst gekocht hat, ist nicht mehr festzustellen, aber die Dänen bezeichnen sie gerne als ihr Nationalgericht, und auch in anderen skandinavischen Ländern kennt man sie schon lange. Es könnte also sein, dass es sich um einen Import handelt.

Geschichte

Interessant ist, dass früher keine frischen Früchte in die Rote Grütze kamen, die wurden für „Besseres“ verwendet, sondern ausschließlich der Saft. Von Himbeeren, Johannisbeeren oder Kirschen, nie von Erdbeeren seltsamerweise. Und es kam ursprünglich auf jeden Fall zum Andicken Grütze rein, sprich Getreide. Oft war das Grieß, der im Laufe des 19. Jahrhunderts durch Perlsago oder Stärkemehl ersetzt wurde. Wer weiß heute noch, dass die Grütze mit Fruchtsaft damals eine komplette Mahlzeit war, die zu jeder Tageszeit gegessen werden konnte, also auch zum Frühstück oder als Abendbrot? Es gab auch grüne Grütze mit Stachelbeeren, aber die war weniger populär. Scherzhaft wurde mit Milch gekochter Getreidebrei auch als „blaue Grütze“ bezeichnet.

Foto: Olaf Simons

Foto: Olaf Simons

Der gesellschaftliche Aufstieg der Roten Grütze zum Dessert der Oberschicht fand im 19. Jahrhundert statt, und in dieser verfeinerten Form zog sie in immer mehr überregionale Kochbücher und in die Gastronomie ein. Der Lübecker Schriftsteller Thomas Mann schätzte sie und erwähnt sie in seinem Familienepos Die Buddenbrooks, in dem ja allgemein sehr viel gegessen wird.

Vermutlich stand das erste deutschsprachige Rezept für diesen Nachtisch in einem norddeutschen Kochbuch, aber das feinste habe ich bei der Westfälin Henriette Davidis gefunden. Die Beerensaison ist mittlerweile leider vorbei, aber in vielen Rezepten werden Kirschen als Alternative genannt.

Roter Fruchtpudding („Rote Grütze“)

Zubereitung: Frische Beerenfrüchte wie Himbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren stellt man ohne Wasserzusatz eine Stunde in ein Wasserbad, damit sie Saft ziehen. Dem Saft von 1 ½ l Beeren setzt man ½ l Rotwein zu, sowie 250 bis 300 g Zucker. Man quillt in der Flüssigkeit entweder 150 g Kartoffel- oder Reismehl, 100 g Stärke oder 100 g Sago aus, so daß man einen nicht zu steifen Fruchtbrei erhält, unter den man den Eiweißschnee von 4 Eiweiß zieht und unter den man gern noch ¼ l eingezuckerte frische Beeren mischt. Der Pudding wird in eine gespülte Form gefüllt, nach dem Erkalten gestürzt und mit geschlagener Sahne oder mit Vanillesauce, auch wohl mit dicker, mit Rotwein, Zucker und Rum schaumig geschlagener Sahnesauce gereicht.

Aus: Henriette Davidis/Luise Holle, Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche, 37. Aufl. Bielefeld 1898