Die Caipirinha-Story
Posted by Petra Foede on 17 Jul 2009 | Tagged as: Kulturgeschichte
Das brasilianische „Nationalgetränk“ Caipirinha war lange Zeit im Ausland so gut wie unbekannt, gehört aber seit einigen Jahren international zu den populärsten Cocktails, auch bei uns. Er steht auch auf der offiziellen Liste der International Bartender Association, was für einen Cocktail ja so etwas wie der Ritterschlag ist. Die wenigsten werden wissen, dass dieser Drink aus Cachaca, Limetten, Zucker und Eis und früher mal den Ruf hatte, ein billiges Gesöff für arme Leute zu sein und von der Oberschicht Brasiliens völlig ignoriert wurde. Caipira heißt auf Portugiesisch so viel wie Provinzler; so werden in Brasilien die Bewohner der ländlichen Regionen genannt, vor allem im Hinterland von Sao Paulo. Caipirinha ist wörtlich „ein kleiner Provinzler“. Der Mix war ursprünglich das Getränk der Bauern, die vom Zuckerrohranbau lebten.
Geschichte
Cachaca ist kein Rum, sondern ein Destillat aus dem noch unreifen Zuckerrohr, das sich innerhalb von 24 Stunden durch Gärung herstellen lässt. Pur getrunken ist es ein Schnaps. Heute werden hochwertige Produkte mit längerer Reifezeit auf den Markt gebracht, aber früher wurde dieses Gebräu gar nicht verkauft, sondern für den Hausgebrauch hergestellt, als Ersatz für teurere Spirituosen und Wein, den sich die Landbevölkerung nicht leisten konnte. Der pinga (= Tropfen) genannte Schnaps wurde auch heimlich von den Sklaven der Plantagen getrunken. Cachaca gibt es in Brasilien seit dem 16. Jahrhundert, als das Land eine portugiesische Kolonie wurde. Da die europäischen Kolonisten den „billigen Fusel“ verschmähten und ihre Alkoholika importierten, wurde der Zuckerrohrschnaps so etwas wie das Nationalgetränk der Einheimischen, wenn auch nur der unteren Bevölkerungsschichten.
Caipirinha ist ebenfalls eindeutig brasilianisch, denn die Europäer betrachteten auch die unbekannten tropischen Früchte mit Misstrauen. Der Vorläufer des Cocktails war eine Mischung aus Cachaca und Limettensaft. Solche Mixgetränke mit Fruchtsäften entstanden im 19. Jahrhundert, sie werden batidas genannt. Irgendwann kam Zucker hinzu, das Eis allerdings erst ziemlich spät, vor etwa hundert Jahren, als die ersten Kühlschränke Einzug in die Privathaushalte hielten. Da war Caipirinha schon kein Arme-Leute-Drink mehr.
Traditionell werden die Limetten für diesen Cocktail nicht ausgepresst, sondern mit Schale geviertelt und im Glas zerquetscht, ehe der Zucker und der Alkohol hinzu kommen und darauf dann die Eiswürfel; zum Schluss wird umgerührt. Das dürfte einfach daran liegen, dass die Leute früher noch keine Zitruspresse hatten. Heute sollte man das am besten nur mit ungespritzten Limetten machen.
Cachaca hat in Brasilien immer noch ein gewisses Prolo-Image, der Caipirinha hat dagegen den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft. Noch beliebter sind hier aber die etwas teureren Varianten mit Rum als Caipirissima oder mit Wodka, dann Caipiroshka genannt.
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Mein absoluter Lieblingscocktail. In groben Zügen kannte ich die Story zwar schon, danke für die Hintergrundinformationen!