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Wir trinken seit gut 300 Jahren Kaffee, aber seit wann trinken wir eigentlich Eiskaffee? Die Frage wird nirgends eindeutig beantwortet, aber es liegt auf der Hand, dass diese Sitte im 19. Jahrhundert aufgekommen ist, als es die ersten Kühlschränke und Eisbereiter für private Haushalte gab. Vorher war es ein ziemlich mühsames Unterfangen, Getränke mit Schnee und Natureis zu kühlen.

Eiskaffee international

In Ländern wie Italien oder Spanien versteht man unter Eiskaffee einen gekühlten Espresso, meistens auf Eiswürfeln serviert. Das heißt dann caffè freddo oder café con hielo. In Valencia habe ich den Ausdruck café con tiempo („Kaffee mit Zeit“) kennen gelernt. Die Bedienung bringt dafür eine Tasse Espresso, ein Glas mit Eiswürfeln, Zucker und eine Zitronenscheibe, und der Gast gießt den Kaffee selbst über die Eiswürfel. Wenn man dasselbe irgendwo anders in Spanien bestellen würde, bekäme man vermutlich einen café del tiempo („Kaffee der Jahreszeit“), und das ist eine kalte Kaffeespezialität mit Alkohol, meistens Brandy. In Frankreich gibt es den Mazagran, eine Mischung aus Mokka, Mineralwasser und Cognac, serviert auf Eis. Das Getränk ist benannt nach einem Ort in Algerien, offenbar in Erinnerung an einen französischen Militärerfolg im Jahr 1840. Dass dieser alkoholisierte Kaffee damals von den Soldaten als Stärkung erfunden wurde, dürfte eine Legende sein.

Foto: su-lin

Foto: su-lin

Gefrorener Kaffee

Der Eiskaffee, den wir kennen, ist eine ziemlich üppige Angelegenheit mit Vanilleeis und Schlagsahne. Angeblich ist diese Kombination eine österreichische Erfindung, und das mag auch so sein, denn man spricht (zumindest in Wien) auch von „Wiener Eiskaffee“, allerdings fehlen die Beweise. L. F. Jungius, der Hofkoch des preußischen Königs, schrieb 1848 in seinem Gastronomischen Lexikon über gefrorenen Kaffee: „Ein noch neues, sehr beliebtes Getränk, das auf Bällen und Abendgesellschaften gegeben wird …“. Das Rezept war damals aber noch nicht dasselbe wie heute, es handelte sich eher um eine Art Halbgefrorenes aus Milchkaffee.

Mary Hahn gibt 1912 in ihrem Illustrierten Kochbuch eine anschauliche Anleitung für den damals üblichen Eiskaffee:

Man kocht eine genügende Menge recht starken Kaffee, macht halb soviel Sahne oder Milch heiß, ohne (sie) zu kochen, mischt beides zusammen und süßt nach Geschmack, wonach der Kaffee in den Eisschrank gestellt wird. Soll er Gästen vorgesetzt werden, so besorgt man geschlagene Sahne, stellt sie auch auf Eis, füllt beim Anrichten den Kaffee in Gläser, am besten Henkelgläser, füllt Sahne darauf und gibt sie mit Teelöffeln oder Strohhalmen zu Tisch, Letztere werden oft bevorzugt, damit die kalten Getränke direkt über die Zunge zur Speiseröhre geführt werden und den Zähnen nicht schaden können.“

In einem Buch über Bowlen und Pünsche aus den 1920er Jahren habe ich auch  einen „Pariser Eiskaffee“ gefunden: Einen Teil starken Kaffee und drei Teile flüssige Schokolade mischen, halb frieren lassen und vor dem Servieren mit Schlagsahne und einem Kognac vermengen.

Zum Abschluss noch ein Rezept für einen modernen Kaffee-Cocktail:

Zutaten für 2 Personen: 300 ml heißer starker Kaffee, 60-80 g Puderzucker, 4 cl weißer Rum, 2 TL Limettensaft, 6 Eiswürfel, 4 EL Sahne, 2 Zitronenscheiben, 1 TL Kaffeepulver. Zubereitung: Den Kaffee mit dem Puderzucker verrühren, abkühlen lassen und mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. Dann Rum und Limettensaft untermischen, die Eiswürfel grob zerkleinern und in zwei große Gläser geben, die Kaffeemischung darüber gießen. Die Sahne nicht ganz steif schlagen und als Haube obenauf setzen. Als Deko die Zitronenscheiben an den Glasrand stecken.

Aus: Kaffee & Schokolade. Über 150 Rezepte für süße Stunden, Verlag Zabert Sandmann 2008

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