Aphrodisische Kochkunst
Posted by Petra Foede on 01 Jul 2009 | Tagged as: Bücher, Kulturgeschichte
Vor einiger Zeit ist mir ein Buch von Isabel Allende in die Hände gefallen mit dem verheißungsvollen Titel Aphrodite. Eine Feier der Sinne, eine Mischung aus Prosa, autobiografischen Erinnerungen und Kochbuch. „Ich kann die Erotik nicht vom Essen trennen und ich sehe auch keinen Grund, weshalb ich es tun sollte“, so lautet das Credo der lateinamerikanischen Schriftstellerin. Trotz ihres sinnlichen Verhältnisses zur Kochkunst und eigenen Erfahrungen mit erotischen Mahlzeiten wollte Isabel Allende nicht auf umfangreiche Literaturrecherchen zum Thema verzichten, vermutlich schon deshalb, weil ihr die Lektüre so viel Spaß gemacht hat. Die Ergebnisse präsentiert sie mit einer Mischung aus abgeklärter Lebenserfahrung, weiblichem Machismo und einer gewissen mädchenhaften Prüderie, wenn es um so spezielle Dinge wie Euter oder Rocky Mountain Oysters geht.
Jede Kultur hat ihre eigenen Aphrodisiaka und viele verdanken ihren Ruf offenbar vor allem ihrer Ähnlichkeit mit männlichen oder weiblichen Geschlechtsorganen. Die überaus nahrhafte Avocado zum Beispiel wurde von den Azteken „Ahuacatl“ genannt, was Hoden bedeutet. Folglich gilt auch Guacamole als erotisierend, was mir noch nie aufgefallen ist. In unseren Breiten ist der Spargel ein typisches Beispiel, aber im Mittelalter galt er auch im Orient als probates Stärkungsmittel, jedenfalls für den Mann. „Wer Spargel kocht und dann mit Eidotter und Gewürzpulver in Fett brät und dieses Gericht jeden Tag isst, wird sein Verlagen und seine Kraft beträchtlich gestärkt sehen“, heißt es im Garten der Düfte, dem Werk eines wissenden Scheichs.
An Rezepten mit Eiern kommt man in keinem Buch zur erotischen Küche vorbei; ein Omelette war schon zu Casanovas Zeiten ein absoluter Klassiker, dicht gefolgt von Austern und Trüffeln. Das Frühstück der russischen Zarin Katharina II. (1729-1796) soll aus Tee mit Wodka und einem Kaviar-Omelette bestanden haben. Eiweiß scheint eine wichtige Rolle in der Küche Aphrodites zu spielen, denn auch Käse wird als lustfördernd aufgeführt. Oder geht es eher um den Gaumenkitzel? „Man glaubt, daß die trockenen Käse mit scharfem Geschmack, wie der Parmesan, die stimulierenderen sind, aber auch einige weiche wie der Ziegenkäse und der Mozzarella haben einen ähnlichen Ruf“, schreibt Allende. Und dann: „Was Mozzarella angeht (…) ist dies der Augenblick, ihn jenen zu empfehlen, die sich das sinnliche Hinterteil einer Jungfer von Rubens oder Botero wünschen.“ Danke für den Hinweis.
Man kann ja auch erstmal was trinken. Einen Kaffee zum Beispiel, denn dank Koffein wirkt er auf jeden Fall anregend. Sind Italiener und Spanier nicht als passionierte Kaffeetrinker bekannt? Na also. Obwohl – die größten Kaffeetrinker Europas sollen ja die Skandinavier und die Isländer sein … Also vielleicht doch eher was Alkoholisches als Aperitif. Mit Champagner liegt man eigentlich immer richtig. Zumindest in den Mittelmeerländern serviert man als Warm-up aber auch ganz gern einen Likör wie Grand Marnier oder einen Cognac. Früher gab es in französischen Edelbordellen einen Lavendellikör namens Parfait Amour, dem man eine sofortige Wirkung auf die Libido nachsagte, aber mittlerweile ist er aus der Mode gekommen.
Was die erotischen Gerichte angeht, bietet Isabell Allende nichts wirklich Ausgefallenes, im Grunde verlässt sie sich ganz einfach auf die Zutaten, weshalb sie wohl auch ein so schweres und sättigendes Gericht wie Paella als aphrodisisch ansieht. Naja, vielleicht wenn man ganz fest daran glaubt … Sie empfiehlt Klassiker wie Coq au vin, pikant marinierte Garnelen oder Huhn mit Mole poblano. Für eilige Köche tun’s aber vielleicht auch einfach ein Schuss Worcestersauce in der Zwiebelsuppe, in Sherry eingeweichte Trockenpflaumen mit Speck oder ein Mango Chutney als Beilage.
Isabel Allende: Aphrodite. Eine Feier der Sinne, Suhrkamp, 2. Auflage 2002 (als TB 11 Euro)
Mehr zum Thema: Rezepte von Isabel Allende
2 Comments »








Oh ja Coq au vin mag ich auch sehr. Wenn es wieder etwas kälter wird gibts das bestimmt bald wieder, yammy.
ja prima. Melde dich dann doch mal, ob es wirklich eine erotisierende Wirkung hat